02.05.2010: „Tempesta“ mit Antonio Malinconico e amici

Antonio Malinconico: Gitarre

Thomas Sonderegger: Gitarre

Martin Lober: Akustikbass

Antonio Malinconico

Von links: Thomas Sonderegger, Martin Lober & Antonio Malinconico

„Tempesta“ nennt sich das erste abendfüllende Programm von Antonio Malinconico e amici. Zusammen mit Thomas Sonderegger an der Gitarre und Martin Lober am Akustikbass hat sich der virtuose Chitarrista ganz dem Thema Sturm unterworfen. Für Malinconicos akustisches Trio ist „tempesta“ mehr als eine wohlklingende Worthülse, vielmehr ist das Leitmotiv des Sturms in all seinen Schattierungen und Nuancen in den sensibel arrangierten Eigenkompositionen omnipräsent. Wer gerne in trennscharfen Musikkategorien denkt, wird sich schwer tun, die Klänge des kongenialen Trios in einen sicheren stilistischen Hafen zu überführen. Stattdessen lebt und atmet Malinconicos Musik jene Weltoffenheit, die nur dem Leben eines Reisenden wirklich eigen ist. Zwar ist bald einmal unüberhörbar, dass es dem Neapolitaner bei seinen Trips vor allem die südamerikanische Folklore und insbesondere die reichhaltige Welt der argentinischen Musik besonders angetan hat, doch denkt und verdichtet der Komponist und Arrangeur seine Eindrücke weiter und lässt daraus poetische Alltagsgeschichten im universellen Dialekt der Weltmusik entstehen.

Obwohl die Musiker Antonio Malinconico, Thomas Sonderegger und Martin Lorber dank ihrer fundierten musikalischen Ausbildungen über Virtuosität und eine herausragende Technik verfügen, läuft das Trio nie Gefahr, bei seinem Treiben in selbstgefällige technische Übungen abzudriften. Stattdessen überzeugt das Ensemble mit einer aussergewöhnlichen Dynamik, reichert jene mit einer schier ungeheuerlichen Spielfreude an und erreicht in den besten Momenten schlicht den Ausdruck purer Leidenschaft. Ihr selbst erklärtes Publikum sind denn auch nicht die Instrumentalisten dieser Welt, sondern die Herzen all jener Menschen, die sich für eine Weltumrundung oder auch nur einen Regentanz lang verführen und berühren lassen wollen.

„Ein Sturm passt nicht in die Form eines Sonetts. Er bewegt sich nicht in Endreimen und hält sich an keine vorgegeben Worte“, schrieb der grosse karibische Dichter Edward „Kamau“ Brathwaite anfangs des letzten Jahrhunderts sehr zum Ärger der britischen Literaturpuristen. Was für die Literatur gilt, gilt allemal für die Musik. Auch deshalb oder gerade darum versuchen Antonio Malinconico e amici dem sich aufbäumenden, abklingenden, böigen, orkanartigen, oder sich mit Regen entladendem Sturm mit dem Liebkosen, Streicheln, Zupfen, Schlagen, Dämpfen oder auch mit dem perkussiven Bearbeiten ihrer spanischen Gitarren zu begegnen. Ihr akustischer Klang bleibt dabei stets ein natürlicher und ihre Arrangements sind bewusst so luzide, dass stets Raum für Spontanes – das Momentum selbst bleibt.

Nichts ist nach einem Sturm wie zuvor, und das ist gut – sehr sogar.

Links: www.antonio.ch / www.antonioeamici.ch

Der folgende Videoclip wurde während des Konzerts in der Bergkirche aufgenommen. Gespielt wird das Solo-Stück „Thema de Milonga“.

Foto & Film: Antonio Anta Brink

Weitere Filmaufnahmen vom Konzert finden Sie hier: www.youtube.com/AntaBrink